Von Konstantin Hebel

Durch die Corona-Pandemie hat sich der schon bestehende Trend zur Digitalisierung noch weiter beschleunigt, wovon insbesondere Technologieunternehmen wie Google, Facebook, Amazon usw. profitieren. Dies Spiegelt sich auch in den Aktienkursen der 5 größten Technologieunternehmen (Amazon, Facebook, Apple, Google (Alphabet) und Microsoft) wider: Ihr Anteil am MSCI World (Aktienindex, der aus über 1600 Unternehmen aus Industrieländern besteht) stieg von 10%[1] im Februar auf 14%[2] im August. Das bedeutet, dass die Aktien dieser Unternehmen in diesem Zeitraum deutlich stärker als der Gesamtmarkt stiegen.

Im Folgenden werden zunächst die Risiken dieser Entwicklung dargestellt. Anschließend wird ein Überblick über die Einschätzungen verschiedener Experten bezüglich der Frage, ob sich der Höhenflug dieser Branche in Zukunft weiter fortsetzen wird, gegeben.

Risiken

Die Folge des oben beschriebenen Aufschwungs der Technologieunternehmen ist eine noch weiter steigende Abhängigkeit des Aktienmarktes von wenigen Unternehmen aus nur einer Branche.[3] Diese Abhängigkeit hat mittlerweile ein noch größeres Ausmaß erreicht, als in der Zeit der Dotcom-Blase (Spekulationsblase des neuen Marktes der Internet-Technologie, welche im Jahr 2000 platzte[4]).[5] Dadurch besteht das Risiko, dass die Technologieaktien im Falle eines Absturzes den globalen Aktienmarkt mitreißen. In der Folge könnten Banken – insbesondere wenn viele Anleger ihren Aktienkauf zu wesentlichen Teilen mit Krediten finanzieren – in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Im schlimmsten Fall müssten sie, genauso wie in der Finanzkrise 2008, mit Steuergeldern gerettet werden, was wiederum die Staatsverschuldung in vielen Ländern ansteigen lassen würde und eine neue Staatsschuldenkrise auslösen könnte. 

Doch auch wenn der Aufschwung der Technologieaktien anhält, sorgt diese Entwicklung langfristig für eine höhere Volatilität (Schwankungsanfälligkeit) am Aktienmarkt, was nachfolgend erläutert wird: Die Renditechancen einer Investition verhalten sich entsprechend Ihren Risiken, d.h. je höher die mögliche Rendite einer Investition ist, desto höher ist auch ihr Risiko. Da Investitionen in Technologieaktien hohe Renditechancen bieten, ist deren Risiko entsprechend hoch. Bei börsengehandelten Wertpapieren, wie beispielsweise Aktien, äußern sich größere Risiken in höheren Kursschwankungen. Ein immer größer werdender Einfluss von Technologieaktien auf den übrigen Aktienmarkt führt dazu, dass deren erhöhte Volatilität auf andere Aktien übergreift. Eine Folge dieser erhöhten Volatilität ist, dass kurz- und mittelfristige Investitionen in Aktien schwerer zu kalkulieren und somit unsicherer werden.

Ein weiteres mögliches Risiko dieser Entwicklung ist, dass die größeren Technologieunternehmen die Corona Krise nutzen könnten, um angeschlagene Konkurrenten zu übernehmen; mit entsprechenden Folgen für den Wettbewerb. Es wird bereits über mehrere Möglichkeiten – etwa eine Übernahme von Zoom durch Facebook, oder des Taxidienstes Lyft durch Google – spekuliert. Erfahrungsgemäß lässt sich sagen, dass die Software- und Internetbranche eine vergleichsweise hohe Tendenz zur Monopolisierung aufweist.[6]

Prognosen zur weiteren Entwicklung

Das folgende Stimmungsbild basiert auf Auswertungen des Finanzportals boerse.de über die jeweils jüngsten 20 Banken-Empfehlungen zur Aktie des jeweiligen Unternehmens. Es werden stellvertretend für die Branche die oben erwähnten 5 größten Technologieunternehmen betrachtet. Sowohl die Amazon- als auch die Google (Alphabet)- sowie die Facebook-Aktie werden von allen der jeweils 20 in die Auswertung eingeflossenen Banken zum Kauf empfohlen, was einer Kaufempfehlungsrate von 100% entspricht.[7] Bei der Microsoft-Aktie beträgt die Kaufempfehlungsrate 95% und bei der Apple-Aktie immerhin 55%.[8] Das Stimmungsbild unter den Analysten zur zukünftigen Entwicklung ist folglich positiv.

Was ebenfalls für ein Fortbestehen des Höhenflugs der Branche spricht ist die jüngere historische Erfahrung, wie das Handelsblatt schreibt: „In den vergangenen fünf Jahren haben die insgesamt boomenden Technologieaktien bereits mehrere Korrekturphasen überstanden. Nach Berechnungen der Schweizer Großbank UBS ging es dabei immer um Rückschläge zwischen zehn und zwölf Prozent – gefolgt von Aufschwüngen von mindestens 20 Prozent in den folgenden sechs Monaten.“[9]

Ein weiterer Grund hierfür ist, dass sich das Verbraucherverhalten durch die Corona-Pandemie verändert hat. Onlineshopping, Videostreaming, Kommunikation über digitale Kanäle usw. sind jetzt gefragter als vor Corona und es spricht wenig dafür, dass Verbraucher ihre Gewohnheiten, nachdem sie diese Corona bedingt umgestellt haben, nach der Pandemie wieder ändern werden.[10]

 

 

Quellen:

[1] https://finanzmarktwelt.de/msci-world-us-tech-aktien-eine-gefahr-fuer-aktiensparer-weltweit-156111/

[2] https://www.justetf.com/servlet/download?isin=IE00B4L5Y983&documentType=MR&country=DE&lang=de

[3] https://finanzmarktwelt.de/msci-world-us-tech-aktien-eine-gefahr-fuer-aktiensparer-weltweit-156111/, https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/us-boersen-keine-angst-vor-dem-crash-der-technologieaktien/26171494.html?ticket=ST-816379-dOtSF9IIfuUHgjQMhUPc-ap3 und https://www.biallo.de/geldanlage/news/big-is-beautiful-anlegen-in-facebook-amazon-google-und-co/

[4] https://www.fimanto.de/lexikon/dotcom-blase

[5] https://www.biallo.de/geldanlage/news/big-is-beautiful-anlegen-in-facebook-amazon-google-und-co/

[6] https://www.biallo.de/geldanlage/news/big-is-beautiful-anlegen-in-facebook-amazon-google-und-co/

[7] https://www.boerse.de/barometer/Nasdaq-Aktien/US6311011026

[8] https://www.boerse.de/barometer/Nasdaq-Aktien/US6311011026

[9] https://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/aktien/us-boersen-keine-angst-vor-dem-crash-der-technologieaktien/26171494.html?ticket=ST-816379-dOtSF9IIfuUHgjQMhUPc-ap3

[10] https://www.biallo.de/geldanlage/news/big-is-beautiful-anlegen-in-facebook-amazon-google-und-co/

 

Konstantin Hebel

Praktikant im KDA und fast Betriebswirt

Konstantin Hebel macht momentan ein Praktikum im Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt. Er weiß als einziger im Team was der Unterschied zwischen einer fundamentalen und einer technischen Aktienanalyse ist. Seine Schwerpunkte sind Finanzen und Börse.