Von Waltraud Kämper   

 Dieses Zitat von Charles Darwin vor 150 Jahren beschreibt sehr gut die Herausforderungen, denen wir uns alle auch aktuell stellen müssen. Die Corona-Pandemie hat in sehr kurzer Zeit bestehende funktionierende Geschäfts- und Lebenskonzepte temporär – und teilweise auch für immer – infrage gestellt. U.a. sind Unternehmen und Mitarbeitende aufgefordert, hierauf möglichst kurzfristig flexibel zu reagieren.

Um diese heute mehr denn je geforderte Flexibilität und Ideenvielfalt zu stärken, braucht es Weiterbildungsangebote – beispielsweise für Azubis. Einige Unternehmen haben das schon seit Längerem erkannt: sie bieten Teambildungstage im Wald an oder in einer sozialdiakonischen Einrichtung (siehe Aspect Change vom KDA) oder fördern aktiv ehrenamtliches Engagement im Sport oder im kreativen Bereich. Denn, unsere Zeit braucht Menschen, die ihrer Neugierde auf Neues Vorrang geben vor ihrer Angst oder dem Sicherheitsbedürfnis!   Menschen, die bereit sind – und den nötigen Freiraum dafür bekommen! – Umgang mit fremden Menschen oder unbekannten Materialien auszuprobieren, ohne zu wissen, ob das Neue überzeugt.

Und, wir nehmen wahr, dass geflüchtete Frauen und Männer oft solche Menschen sind.

In der ersten Coronazeit hat weitgehend Unsicherheit, Lähmung und Isolation überwogen …. aber dann haben wir trotz Einschränkungen nach Möglichkeiten gesucht, miteinander etwas zu tun und die Batterien mit Freude aufzuladen!

Bei einem Kreativtag haben sich Ponte Paten und Azubis auf einen kreativen Prozess eingelassen, auf den Umgang mit fremden Materialien bzw. mit Licht und Schatten mit offenem Ausgang. Es gab einen Fotoworkshop mit 2 Fotografinnen und eine kleine Malgruppe mit einer Künstlerin. Der Tag hat viel Freude gemacht und Kreativität angestoßen. Unsere Bilder stellen sich dem Leben, trotzen Angst oder Ohnmacht und den inneren Belastungen – ohne die äußeren Einschränkungen zu missachten. Genau, wie dies die PonteAzubis in ihrem jeweiligen Alltag tun!

„Kunst trotz(t) Corona“ hieß es auf der Einladung. Ist das Kunst, was wir bei PonteAzubis gemacht haben? Vermutlich beurteilt jede/r Betrachter/in dies individuell unterschiedlich.

„Kunst kommt von Können“ lautet ein Zitat aus alten Zeiten. Seit den 70er Jahren gilt: Kunst kommt auch von Machen, vom tatkräftigen kreativen Umgang mit gesellschaftlichen Realitäten. Künstler – auch Azubi-Künstler/innen stellen Fragen –  an sich selbst, an die Betrachtenden, an die Gesellschaft und eröffnen dadurch neue Perspektiven, die bisweilen unsere eingefahrenen Wahrnehmungs- und Deutungsmuster erschüttern oder weiten.

Kunst, als eine wesentliche Ausdrucksform für Gefühle und Gedanken, welche den Menschen bewegen, ist hierbei weniger das, was Kritiker und Spekulanten für wertvoll und handelbar halten, sondern vielmehr all das, worin der Schaffende/ die Künstlerin ein Stück von sich selbst gegeben hat. Kunst ist also einerseits etwas vollkommen Individuelles und andererseits wird sie durch die Resonanz, die sie beim Betrachtenden auslöst etwas Kollektives.

Gerade in Coronazeiten ist es gewinnbringend, gelegentlich den Blick über die alltäglichen Herausforderungen zu erheben und kreative neue Wege auszuprobieren – im Privaten wie in der Arbeitswelt.

 

Waltraud Kämper

… ist seit vielen Jahren Referentin im KDA und dort u.a. verantwortlich für das Projekt PonteAzubi.