Von Karl-Martin Harms, Flughafenseelsorger in Hannover-Langenhagen   

Die Terminals am Flughafen Hannover bieten in diesen Spätsommertagen ein ungewohntes Bild. Normalerweise drängen sich Menschen in der Ankunfts- oder Abflugebene. Außerdem wählen Besucher*innen aus Stadt und Umland den Flughafen als Ausflugs- und Tagungsort. Im September 2020 ist alles anders. Die Terminals sind weitgehend menschenleer. Nur nach der Landung eines Flugzeugs aus einem Risikogebiet beleben sich die Gänge für kurze Zeit, weil viele Reisende sich gleich am Flughafen auf dem Parkplatz vor dem Terminal C auf Corona testen lassen wollen.

Dennoch ist hinter den Kulissen einiges los am Flughafen. Mitarbeitende des Reinigungspersonals sind präsent auf den langen Fluren. Sie leeren Mülleimer und putzen sehr häufig die Toiletten. Zoll und Bundespolizei patroulieren meist zu zweit die Land- und die Luftseite des Flughafens. Kolleg*innen von AHS und Securitas kontrollieren Reisende und Mitarbeitende. Die Flughafenfeuerwehr testet täglich ihre Einsatzgeschwindigkeit. In zwei bis drei Minuten müssen die Fahrzeuge an jedem Punkt des Flughafens sein.

Auch das Team der Ökumenischen Flughafenseelsorge ist regelmäßig vor Ort. Die Türen der Flughafenkapelle sind Tag und Nacht geöffnet. Wir sprechen mit Reisenden und Mitarbeitenden. Wir hören zu und gehen ein Stück Weg gemeinsam. Gerade diese Gespräche mit den Beschäftigten sind ein wichtiges Angebot. Seit August gibt es am ersten Donnerstag im Monat um 18 Uhr für eine halbe Stunde die Chapel Tunes. Livemusik in der Kapelle. Am dritten Donnerstag ebenfalls um 18 Uhr bringt das Team der Flughafenseelsorge die Anliegen aus dem Gästebuch vor Gott. Sorgen über die Zukunft einer Partnerschaft, Dank für einen sicheren Flug und vieles mehr. Gedanken zur Transformation des Luftverkehrs. Die Kapelle kann auch für Trauungen und Taufen mit kleiner Personenzahl genutzt werden. Tatsächlich gab es sogar in diesen Wochen eine Trauanfrage.

Corona lehrt zu entschleunigen und genauer hinzuschauen. Mit den Beschäftigten am Flughafen gibt es jeden Tag Neues zu entdecken.

 

Karl-Martin Harms

Seit einem Jahr ist Karl-Martin Harms Flughafenseelsorger am Hannover Airport in Langenhagen. Die Ökumenische Flughafenseelsorge am Flughafen Hannover-Langenhagen ist eine Einrichtung der evangelischen und der katholischen Kirche. Die Flughafenseelsorge ist für Mitarbeitende, Reisende und Gäste da, ganz unabhängig von Religion und Weltanschauung.