Von Wencke Breyer

Mit dem Lockdown veränderte sich die Ehrenamtlichenwelt. Ob es einfacher wurde mag ich mal nicht zu sagen. Es wurde anders.

Ehrenamt, die Coronazeit und die neue Sitzungswelt – Sitzungen fanden digital in einem Meetingraum statt, in den wir uns per Video oder Telefon einwählten. Sie waren jetzt deutlich kürzer als sonst, jedoch auch in einem neuen Sitzungsrhythmus und mit neuen Herausforderungen für Moderation und Teilnehmende. Vorteil dieser Sitzungen, ich hatte keine Fahrwege mehr und konnte mal eben vom dienstlichen Schreibtisch rüberspringen in eine digitale Sitzung des Ehrenamtes, für die ich sonst vom Arbeitgeber für einen ganzen Tag freigestellt worden wäre. Nachteile gab es auch, selbst Sitzungsleitung in einer solchen digitalen Sitzung zu sein, heißt alle Teilnehmenden mitnehmen, d.h. auch den Personen am Telefon ein Bild von dem zu geben, was die anderen auf ihrem Bildschirm mit den kleinen Video-Bildern der Teilnehmenden sehen, wenn dort Reaktionen auf Wortbeiträge erfolgten und auch die Materialien für eine solche Sitzung wurden ausführlicher, da man in der Sitzung selber nicht den ganzen Inhalt wiedergeben kann, sondern Schwerpunkte setzen muss. Und damit verbunden brauchte man für die Vorbereitung mehr Zeit, sei es, weil man selber einen solchen mündlichen Bericht in einen schriftlichen Bericht verfassen musste oder weil man diesen lesen musste. Und was mache ich, wenn dann ganz plötzlich meine Internetleitung zusammenbricht und ich wie, mir einmal passiert nichtmehr in die Sitzung komme? Und wie kann ich unterstützt werden, um die Kompetenzen zur Moderation einer digitalen Sitzung zu erlernen? Und kann ich eine digitale Sitzung nur so gestalten, wie es alle von den analogen Sitzungen kennen oder darf ich hier auch neue Formate denken, die mir die digitale Meetingwelt beitet? Ich finde es wichtig, dass wir uns diese Fragen stellen, denn Corona wird uns noch eine Zeit beschäftigen und neue Wege von Sitzungen gehen lassen. So gerne ich auch eine digitale Stadtkirchentagssitzung mit 75 Mitgliedern durchführen würde, so weiss ich auf der anderen Seite jedoch, dass nicht alle Mitglieder die digitalen Grundvoraussetzungen haben und vor allem ich auf meinem Bildschirm mit 13 Zoll lange nicht alle Teilnehmenden für eine gute Moderation im Blick haben kann.

Ehrenamt, die Coronazeit und die informellen Gespräche – gerade diese fehlten und wir Ehrenamtlichen bekommen häufig nur durch solche Gespräche am Rande einer Sitzung Dinge mit, die bei den Hauptamtlichen bekannt und schon selbstverständlich sind, weil sie andere Austauschräume und – wege haben, die sie auch in der Lockdown-Phase in die digitale Welt verlagern. Es war also kein by-the-way mitbekommen, sondern man musste durch Telefonate etc. selber aktiv werden, um Informationen zu bekommen.

Ehrenamt, die Coronazeit und die Verantwortung für eine Stadtsupterintendentenwahl – mit einem Zeitplan, der mit Beginn der Lockdownphase in seine heiße und abschließende Phase gekommen war. Damit verbunden war eine Menge Kommunikation in Form von Telefonaten, E-Mails, Schreiben von Briefen oder auch ehrenamtlichen dienstlichen Spaziergängen und damit Zeit. Neben den rechtlichen Fragen, die sich ergaben und geklärt werden mussten, sei es für die Aufstellungsgottesdienste oder für einen Plan B, wenn wir uns nicht zu einer analogen Wahlsitzung treffen könnten, mussten beides ja auch organisiert werden und das war deutlich anstrengender, da die Corona-Schutzmaßnahmen Bedingungen an die Raumgröße, die Abläufe der Sitzung und die teilnehmenden Menschen stellte und zugleich das Neudenken von Formaten mit sich brachte, die noch nicht eingespielt waren/sind.

Ehrenamt, die Coronazeit und die kleinen Freudenmomente – immer dann wenn ich Sonntags nach einem der dienstlichen Arbeitsspaziergänge mit meiner Vizepräsidentin nach Hause ging und an der Leine vor der Kirchentür ein Stück Papier als Seelenfutter des dortigen Pfarramtes mitnehmen konnte.

 

Wencke Breyer

Diplom-Ökonomin

Als Präsidentin des Stadtkirchentages Hannover organisierte Wencke Breyer zuletzt die Wahl des Superintendenten unter Corona-Bedingungen. Außerdem ist sie Vizepräsidentin des Synode der Evangelisch-lutherischen LAndeskirche Hannovers. Beides im Ehrenamt.