Von Waltraud Kämper

In diesen Zeiten zeigt sich, deutlicher denn je, wie Bildungschancen eben nicht gleich verteilt sind. (Berufs-)Schulen sind für 6 – 8 – 10 Wochen geschlossen und die einen setzten sich nach familiärer Absprache oder unter elterlicher Aufsicht ins eigene Zimmer, an den eigenen Laptop und erledigten mal mehr, mal weniger motiviertdie Schulaufgaben aus dem Mail-Postfach.

Die anderen suchten vergeblich ein ruhiges Plätzchen in der Wohnung, kämpften mit Geschwistern um das einzige Notebook, verstanden meist weniger als mehr von dem, was die Online gestellten Aufgaben von ihnen wollten.

Wieder andere saßen in ihrem Zimmer im Flüchtlingsheim und versuchten mit ihrem Handy die Aufgaben des Berufsschullehrers zu bearbeiten, auch wenn die technischen Möglichkeiten es nicht hergaben. Es herrscht großer Druck: bloß nicht den Anschluss verlieren und dann die Ausbildung gefährden und damit die Duldung. Und jede Pädagogin weiß: unter großem Druck, mit Angst im Nacken ist das Gehirn nur begrenzt aufnahmefähig. Nachhaltiges Lernen braucht andere Rahmenbedingungen.

„Geflüchtete Auszubildende, die ohnehin schon vor größeren Herausforderungen stehen, bekommen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie mit besonderer Härte zu spüren. Diese Härten müssen angemessen berücksichtigt werden, damit sie eine faire Chance in den Prüfungen haben“, sagt Sigmar Walbrecht, Koordinator des Arbeitsmarktprojektes AZF 3 beim Niedersächsischen Flüchtlingsrat.

Wer fühlt sich nun verantwortlich dafür, dass die Schüler*innen und die Azubis den versäumten Lernstoff nun nachholen und nicht im neue Schuljahr Wissen vorausgesetzt wird, dass nicht vorhanden ist, bzw. keine fundierte Grundlage bietet, um den Stoff beispielsweise des 2. Ausbildungsjahres nachhaltig einzuordnen und zu verdauen? Wer gibt ihnen nicht nur einen LapTop, sondern auch eine Einführung in digitales Arbeiten? Wer trägt konkret dazu bei, dass Azubis ihren Weg durch diese unsicheren Zeiten gut gehen können? Ehrenamtliche Paten beispielsweise können einen Beitrag leisten.

Auszubildende – auch geflüchtete – brauchen faire Chancen, erfolgreich sein zu können.

 

Waltraud Kämper

Referentin für den Kirchlichen Dienst in der Arbeitswelt

Waltraud Kämper befasst sich als KDA-Referentin unter anderem mit Perspektiven für Zugewanderte, Integration in Arbeit, (interkulturellen) Konfliktlösungsstrategien und der Neuorientierung am Ende der Berufstätigkeit.